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Neue Dauerausstellung

Die Dauerausstellung des Museums am Schölerberg erhält ein ganz neues Gesicht. Bis 2023 entsteht hier ein neues Museumskonzept. Eine Spur des Lebens zieht sich durch unser Haus. Über die Meilensteine hin zu einem neuen Museum am Schölerberg halten wir Sie in unseren Neuigkeiten auf dem Laufenden. Begleiten Sie uns auf dieser spannenden Reise!

Kontakt:
Lisa Heyn
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
heyn@osnabrueck.de
Telefon: 0541 323-7034

9. Dezember 2022

Wie längst verstorbene Tiere auferstehen

Der Paleo-Künstler Joschua Knüppe entwirft für unsere neue Dauerausstellung detailgetreue Illustrationen ausgestorbener Tiere, Pflanzen und urzeitlichen Landschaften. Mit seinen Bildern haucht er unseren teils einmaligen Fossilien neues Leben ein und wird die Vorstellungskraft unserer Besucher:innen anfachen: Denn sie sehen dann nicht nur den versteinerten Zahn eines Mammuts oder das fossile Blatt eines Farns, sondern werfen einen Blick in die Lebenswelten der Tiere und Pflanzen vor vielen Millionen Jahren im Osnabrücker Land. Doch wie geht der Maler bei seiner Arbeit vor? Und was ist überhaupt ein Paleo-Künstler? Im Interview erzählt Joschua von seiner großen Leidenschaft: die Verbindung von Paläontologie und Kunst.  

Museum am Schölerberg: Joschua, duarbeitest als sogenannter Paleo-Künstler. Was heißt das?

Joschua Knüppe: Das heißt, dass ich als Künstler aufgrund wissenschaftlicher Daten ausgestorbene Tiere wieder zum Leben erwecke. Als Grundlage dafür nutze verschiedene Fossilien, ziehe Vergleiche zu heute lebenden Verwandten und hole das Feedback von Wissenschaftlern ein. Dadurch bekomme ich zum Beispiel eine Idee davon, wieviel Muskelvolumen ein Tier hatte oder welche Farbe das Fell hatte.

MaS: Das klingt spannend. Wie bist du dazu gekommen?

Joschua: Das fing tatsächlich schon im Kindergarten an.Damals hatte ich bereits eine riesige Faszination für Dinosaurier und habe außerdem gern gezeichnet. Entsprechend sind damals schon wirklich viele Bilder von Dinosauriern entstanden. Das hat sich über die Jahre so weiterentwickelt. Meine beiden Leidenschaften Zeichnen und Wissenschaft haben sich immer gegenseitig befruchtet.

MaS: Gibt es für einen Paläo-Künstler eine Ausbildung?

Joschua: Nein, nicht wirklich, das ist viel Erfahrung und Leidenschaft. Aber ich habe mein Fachabitur im Bereich Gestaltung gemacht und bin danach direkt an die Kunstakademie in Münster, wo ich vor kurzem mein Examen im Studienfach „Freie Kunst“ bestanden habe. Das Studium hat mir einen interessanten Mix aus Praxis und Theorie geboten.

MaS: Was ist heute für dich das Besondere an deinem Job?

Joschua: Mir macht zum einen das Handwerkliche Spaß, mit Farben und Technik zu hantieren und zu sehen, wie ein Bild Gestalt annimmt. Auch die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern mag ich sehr sowie überhaupt die tiefe Recherche zu einem Thema. Das Einarbeiten in kleinste Details und diese dann umzusetzen ist immer noch unglaublich faszinierend. Außerdem schätze ich die Möglichkeit, Menschen eine völlig neue Facette der Urzeit näher zu bringen, von der sie vielleicht gar nicht wussten, dass sie überhaupt existiert. Regionale Fossilien wie zum Beispiel aus dem Osnabrücker Land sind mir dabei sehr wichtig, denn die Leute wissen oft gar nicht, was direkt vor deren Haustür gefunden wurde.

MaS: Damit sind wir dann ja schon bei uns und unserer Sammlung. Kannst du kurz erklären, was genau du für uns illustriert hast?

Joschua: Na klar. Meine Illustrationen bieten einen großen Überblick über die gesamte Erdgeschichte. Sie zeigen vor allem Szenen aus dem Osnabrücker Land aus verschiedenen Zeitaltern wie Kreide, Jura oder Trias. Zu sehen sind unter anderem Mammuts, Wollnashörner, primitive Haie, ausgestorbene Wisente oder auch Quastenflosser. Das Material, das ich dafür genutzt habe, kam zu großen Teilen aus der Region wie zum Beispiel Funde aus Hasbergen oder Ibbenbüren.

MaS: Und worauf legst du bei denen Bildern besonderen Wert?

Joschua: Details und Genauigkeit sind mir wichtig. Ich verstehe meine Bilder als Kompositionen aus Tier, Landschaft und Zeit. Dabei beschäftigt mich erst einmal die Frage: Wieso sind die Tiere gerade an diesem Ort? Und wie kann ich verschiedene Tiere an einem Ort sinnvoll zusammenbringen? Zum Beispiel habe ich für euch eine Jagdszene aus der Ur-Nordsee entworfen. Sie zeigt einen Fischschwarm, der Seevögel und primitive Pottwale anzieht. Diese wiederum sind Beutetiere für den Megadolon, einer ausgestorbenen Hai-Art. So fügen sich die verschiedenen Arten auf dem Bild zusammen. Ich finde einfach: Eine möglichst große Nähe zur – wenn auch vergangenen – Realität, macht die Betrachtung der Bilder interessanter und nachvollziehbarer.

MaS: Das finden wir auch und wir freuen uns schon auf das Ergebnis. Danke dir für das Gespräch!