Insekten stellen die artenreichste Tierklasse dar und haben eine Vielzahl von Lebensräumen erobert – so spielen sie auch eine wichtige Rolle beim Abbau toter organischer Substanz. Dazu zählt auch der Leichnam eines Menschen oder der Kadaver eines Tieres, die beide von zahlreichen Insektenarten als Lebensraum und Nahrungsquelle genutzt werden. Das versucht sich die forensische Insektenkunde zu Nutzen zu machen – sie will der Polizei Fragen beantworten, die für deren Ermittlungen wichtig sind: Seit wann ist das Mordopfer tot? Lag sein Leichnam die ganze Zeit in diesem Wald oder war er zuvor ein paar Tage in einer Wohnung? Hat der Tote zu Lebzeiten Drogen konsumiert? Der Vortrag erläutert anschaulich die wissenschaftlichen Methoden, die bei der Beantwortung dieser Fragen helfen. Und er wird auch zeigen: ein Mensch muss nicht tot sein, um für Aas-Insekten interessant zu werden…
Jens Amendt hat an der Goethe-Universität und dem Forschungsinstitut Senckenberg in Entomologie promoviert und ist außerplanmäßiger Professor (Zoologie) am Fachbereich Biowissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. 2001 hat er am Institut für Rechtsmedizin den Arbeitsbereich Forensische Entomologie ins Leben gerufen und ist seitdem als Gutachter sowie in Forschung und Lehre aktiv. Er ist Gründungsmitglied der European Association for Forensic Entomology und gegenwärtig ihr Präsident aber auch aktiv in anderen Gremien wie der Working Group „Animal, Plant and Soil Traces“ des Europäischen Netzwerkes Forensischer Institute. Sein Hauptinteresse in der Forschung gilt der Fusion von Grundlagenforschung und Anwendung. Die Forensische Entomologie ist dafür ausgezeichnet geeignet und bietet die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Disziplinen und einen bunten Strauß an Methoden aus Molekularbiologie, Ökologie, Physiologie, Biochemie, Physik etc. unter ihrem Schirm zu vereinen.
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